Maritime Sicherheit der Zukunft als nationale Aufgabe

VDKS betont: Resilienz beginnt bei den Menschen an Bord

Der VDKS stellte eine klare Abhängigkeit heraus, die in geopolitischen Debatten zu leicht übersehen wird: strukturelle Defizite schwächen nationale Resilienz personell. Der Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere war in dieser Woche auf dem bedeutendsten maritimen Branchentreffen des Jahres vertreten: auf der 14. Nationalen Maritimen Konferenz in Emden sowie beim Ausbildungsforum des VDR am Vortag in Leer. 

„Resilienz beginnt nicht bei Strategiepapieren,

sondern bei den Menschen an Bord.“

Kapitän Sebastian Dießner, Präsident des VDKS

VDKS vertritt Seefahrer auf NMK 2026
Bild: Björn Hartmann/ VDKS

Auf der Konferenz wurde deutlich, dass die maritime Wirtschaft keine Nischenbranche ist, sondern systemrelevante Infrastruktur. So eröffnete Bundeskanzler Friedrich Merz die Konferenz mit dem Bekenntnis, Deutschland habe alle Voraussetzungen für eine führende maritime Rolle im 21. Jahrhundert. Die Blockade der Straße von Hormus zog sich als mahnendes Bild durch den Tag, von der Deutschen Marine bis in die Wirtschaftspolitik. Die Stimmen machten deutlich, dass maritime Resilienz weit über die Branche hinausgeht: Sie ist eine nationale Aufgabe.

„Wir haben die Kompetenz, den Ruf und die Infrastruktur. Was wir brauchen, ist den Mut, das auch zu behalten.“

Kapitänin Cynthia Wolter, Vizepräsidentin des VDKS

Der VDKS knüpft daran an und präzisiert die deutsche Ausgangssituation. Das bedeutet Ausbildung, die trägt sowie Arbeitsmodelle, die Erschöpfung als Systemfehler und nicht als persönliche Schwäche behandeln. Weiter braucht es einen Flaggenstaat, der Reedereien und Besatzungen gleichermaßen attraktive Bedingungen bietet.

VDKS präsent auf Podium der 2. VDR-Ausbildungsforum
Bild: Sebastian Dießner/ VDKS

Ausbildungsforum des VDR: Praxis trifft Politik

Bereits am Vortag setzte der Verband Deutscher Reeder mit seinem 2. Ausbildungsforum als Impulsveranstaltung zur NMK klare Ziele auf die Agenda: maritime Ausbildung strategisch in neue Generationen führen. Ausbildungsverantwortliche, Nachwuchsvertreter und Verbände kamen am maritimen Standort Leer zusammen und diskutierten die Potenziale und Notwendigkeiten zur Sicherung und Stärkung des Schifffahrtsstandortes Deutschland. Die Podiumsdiskussionen entwickelten eine lebendige Eigendynamik hin zu einem konstruktiven, ehrlichen Austausch und einem deutlichen Konsens: Die Branche will in dieselbe Richtung. Die Schritte dorthin dürfen mutiger sein. Die Begeisterung der Auszubildenden für ihre Berufe und für die Branche war spürbar. Breit ausgebildet als echte Problemlöser verbinden sie mit ihrer Arbeit eine Sinnhaftigkeit, die in der Gesamtwirtschaft öffentlichkeitswirksam sichtbar gemacht werden sollte. 

Kompetenzen über die Technik hinaus

Deutschland bildet bereits über internationalen Standards aus. Das ist eine Stärke, die anerkannt werden muss. Was künftig den Unterschied macht, geht darüber hinaus, stellt der Verband zur Debatte. Werte interpretieren, Unstimmigkeiten erkennen, im Zweifel dagegen entscheiden und mehr tun, um situativ effektiv zu führen. Die Situationskompetenz soll explizit in der Ausbildung verschärft werden. Aktuelle Entwicklungen im Spannungsfeld globaler Konflikte zeigen die Notwendigkeit auf: strategische Signalstörung sowie Eingriffe in freie Seehandelswege erschweren sichere Navigation.

Strukturelle Selbstverständlichkeit als treibende Kraft

Der VDKS appelliert an die maritime Branche: zukünftige Fachkräfte werden nicht während der Ausbildung verloren, sondern danach, wenn die Realität an Bord eine andere als die zuvor vermittelte ist. Was von Arbeitgebern fehlt, sind keine Sonderregelungen oder Ausnahmebedingungen, sondern Rahmenbedingungen, die normale und zeitgemäße Lebensumstände mitdenken. Wie Beruf und Privatleben vereinbart werden, ist individuell, weshalb es keine Einheitslösungen braucht, sondern den Spielraum, diesen Ausgleich selbst zu gestalten. Dies sollte kein Verhandlungsgegenstand sein, sondern strukturelle Selbstverständlichkeit. Junge Generationen stellen neue Ansprüche an die Arbeitsrealität in der maritimen Wirtschaft. 

Maritime Sicherheit als nationale Aufgabe

Im Branchenforum nahm Präsident des VDKS Kapitän Sebastian Dießner an der Podiumsdiskussion „Schifffahrt zu maritimer Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit“ teil. Im Mittelpunkt seiner Beiträge betonte er, was der Verband als untrennbar voneinander betrachtet. 

Deutsche Flagge

Bürokratieabbau

Aus Sicht des VDKS ist die Entwicklung der letzten Jahre positiv, aber ein Bekenntnis zur deutschen Flagge kann nicht einseitig eingefordert werden. Wer sichere Seewege und den Schutz der Marine beansprucht, trägt auch Verantwortung für das Führen der deutschen Flagge und die Bedingungen unter dieser Flagge. 

Die administrative Belastung an Bord hat nach Ansicht des Verbandes klar ein Maß erreicht, das die eigentliche Arbeit an Bord beeinträchtigt. Der VDKS fordert spürbare Entlastungen auf nationaler wie europäischer Ebene: nicht als Komfortgewinn, sondern als Sicherheitsfrage. 

Personalfrage 

Modelle, die auf einen Wechsel von langen Einsätzen und anschließende Arbeitslosigkeit setzen, führen zwangsläufig zum Verlust von Fachkräften. Wer qualifiziertes Personal dauerhaft halten will, muss verlässliche Rahmenbedingungen schaffen: faire Arbeitsverträge, freien Internetzugang an Bord und eine leistungsgerechte Vergütung. Entscheidend sind kontinuierliche Beschäftigung und eine durchgängige Sozialversicherung. Nur so bleibt Personal im System und geht nicht verloren. Der diskutierte Seedienst birgt Chancen für die Nachwuchsgewinnung. Entscheidend ist dabei eine saubere konzeptionelle Ausgestaltung: klare Definitionen der Ausbildungsinhalte, verlässliche Förderstrukturen sowie die Anerkennung von Ausbildungsleistungen im Rahmen internationaler Standards wie STCW. Nur so kann ein nachhaltiger Beitrag zur Fachkräftesicherung geleistet werden.

Die Voraussetzungen sind da und das Bewusstsein wächst weiter. Der VDKS wird die Impulse dieser Woche mitnehmen, Gespräche weiterführen, Probleme benennen und gemeinsam mit allen Akteuren Lösungen entwickeln: im Sinne aller, die Deutschlands Waren über die Weltmeere bringen. 

Über den VDKS

Der Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere e.V. (VDKS) vertritt seit 1894 die berufspolitischen Interessen deutscher Nautiker gegenüber Politik, Wirtschaft und maritimen Institutionen. Der Verband bringt die Perspektiven aus der Praxis von Kapitänen und Schiffsoffizieren gezielt in die maritime Branche ein – für einen souveränen Berufsstand an einem führenden Schifffahrtsstandort mit Zukunft. | www.vdks.org

Pressekontakt

Geschäftsführer Kapitän Wilhelm Mertens

office@vdks.org